Mitteilungsblatt Nordheim
Neues aus Nordheim und Nordhausen
Nordheimer Geschichte
Erfasst von: Redaktion, Aslan, Selin | 18.03.2025

Litfaßsäulen und Außenwerbung in Nordheim
Wer erinnert sich noch an die Lifaßsäulen in Nordheim? Wo standen sie? Wie und an welchen Stellen wurde früher geworben? Für was wurde Werbung gemacht? Sinn und Zweck der Werbung war und ist, ein Produkt, eine Firma oder eine bestimmte Veranstaltung möglichst vielen Menschen bekannt zu machen. Eine frühe Form der Werbung, die man bis etwa um die Zeit des Ersten Weltkrieges Reklame nannte, waren die Marktschreier auf den Märkten im Mittelalter. Ausrufend und schreiend priesen sie Dienstleistungen und Waren an. So entstand das Wort Reklame, das vom lateinischen Wort reclamare (= ausrufen) abstammt. Ab etwa 1930 setzte sich dafür der Begriff Werbung durch.
Bereits die alten Wirtshausschilder oder Aufschriften auf Gasthäusern waren eine Form der Reklame oder Werbung. Mit der Verbreitung von Druckerzeugnissen wie Jubiläumsschriften oder Zeitungen sowie schön gestalteter Rechnungsbriefköpfen gewann die schriftliche Werbung zunehmend an Bedeutung. Schließlich führte es zu wilder Werbung und Plakatierung, in dem Firmen begannen für ihren Namen oder ihre Produkte Plakate an Straßen, Plätzen, Leitungsmasten oder Hoftore usw. zu kleben. Diese sogenannte wilde Plakatierung verschandelte das Ortsbild oder störte gar den Straßenverkehr durch Ablenkung der Autofahrer. Das konnten die Gemeinden nicht mehr dulden und man suchte nach Lösungen. Es gab örtliche Polizeiverordnungen die verlangten, dass jede Plakatierung genehmigt werden musste (in Nordheim erlassen 1932). Zudem gab es in den 30er Jahren Vorschriften des Werberates der deutschen Wirtschaft - Fachgruppe Außenwerbung. Um der Wildplakatierung entgegenzuwirken entstand die Idee, Plakatsäulen zu beschaffen die an gut sichtbaren Stellen aufgestellt
werden sollten. Derartige Säulen wurden bereits ab 1854 in Berlin aufgestellt. Erfunden hatte sie der Berliner Drucker Ernst Litfaß als „Annonciersäulen“. Ihm zu Ehren werden diese Plakatsäulen bis heute „Litfaßsäule“ genannt.


In Nordheim gab es bis etwa 1946 zwei solche Litfaßsäulen. Eine Säule stand vor dem Zaun vor dem Hofgut (heute Rathaus), die andere Säule stand zwischen der Bäckerei Karle (Staib, Wittwer, Böhm, derzeit Förch) und der Siegeshalle (Metzgerei Geiger).
Verwaltet bzw. betrieben wurden die Plakatsäulen von einer Stuttgarter Werbefirma (früher Plakat- Anschlag GMBH Stuttgart, danach Südd. Plakatierungs- und Reklamebüro Stuttgart, schließlich ILGAußenwerbung GmbH). Die Gemeinde genehmigte das Aufstellen der Säulen und erhielt als Gegenleistung einen prozentualen Anteil an den Werbeeinnahmen dieser Firma. 1955 betrugen die Einnahmen für die Gemeinde aus diesen Anschlagstellen 365,35 DM. Die Gebühren für einen Anschlag an der Säule richteten sich nach der Größe des Plakates und nach der Anschlagdauer.
Ortsansässige Auftraggeber erhielten 50% Preisnachlass.


Als nach der Währungsreform von verschiedenen Firmen, auch aus Heilbronn, verstärkt wieder wilde Plakatwerbung betrieben wurde, schritt die Gemeinde dagegen ein und erhöhte die Zahl der öffentlichen Werbeflächen. So gab es 1954 eine Litfaßsäule bei der „Linde“ (Ecke Talstraße und Brackenheimer Straße), die Säule bei der Siegeshalle und eine Säule hinter der „Traube“ am Marktplatz. Ferner eine große Werbetafel in
der Bahnhofstraße beim früheren „Auffüllplatz“ (nach dem Gasthaus „Ochsen“). In späteren Jahren kam noch eine Tafel in der Kelterstraße hinter der Alten Kelter dazu sowie eine Säule am Ortseingang an der Schwaigerner Straße (vor dem „Spritzenhäusle“), ebenso beim Bahnhof nach den Parkplätzen der Pizzeria „Riviera“ und an der Klimmerdinger Straße bei der Abzweigung zum Lindenweg. Im Laufe der Zeit verschwand die eine oder andere Tafel oder Säule, und 1999 wurde das Ende der Plakat-Außenwerbung eingeläutet. In einem Schreiben der Firma ILG- Außenwerbung vom 20.10.1999 an die Gemeinde heißt es mit Bezug auf eine Gesetzesänderung durch die EU: „Das Verbot der Werbung für Zigaretten – gegen die Stimmen Deutschlands und Österreichs – ab 1.7.2001 trifft uns mit der Plakatwerbung an Litfaßsäulen so hart, dass eine Plakatierung für Ihre Gemeinde und uns unrentabel wird.“


Die Firma ILG bot der Gemeinde an, ihr die Säulen für 10 DM pro Stück zu überlassen. Allerdings möchte die Firma ILG dann alle 3 Monate die Flächen mit dunklem Papier überkleben damit sie wieder neu nutzbar sind zum Preis von 80 DM plus MwSt. Diesen Vorschlag lehnte die Gemeinde ab, da hier pro Quartal Kosten von 371,20 DM entstanden wären und eine sinnvolle örtliche Werbung mittels der Säulen ohnehin fraglich erschien. So wurden im April 2000 die letzten drei noch vorhandenen Litfaßsäulen in Nordheim abgebaut (Bahnhofsplatz, Klimmerdinger Straße, Schwaigerner Straße). Für das öffentliche Anbringen von Plakaten oder Aufklebern (z.B.
Wahlwerbung) ist aber weiterhin eine Sondernutzungserlaubnis der Gemeinde erforderlich.
Ein zweiter, großer Bereich der Außenwerbung betrifft die Werbung an Geschäften und Gaststätten. Ein sogenanntes Nasenschild, ein Werbeschild, das an der Hauswand einer Gaststätte oder eines Geschäfts verankert wird und rechtwinklig, wie die Nase aus dem Gesicht, vom Haus in den Straßenraum ragt, bedarf immer einer Genehmigung seitens der Gemeinde und des Gebäudeeigentümers. Dazu musste eine Skizze mit Maßen und meist noch der Abschluss einer Haftpflichtversicherung vorgelegt werden, falls jemand durch den Werbeträger zu Schaden kommen sollte. Zu dieser Art der Außenwerbung gehören auch Gebäudebeschriftungen oder beleuchtete Transparente. Für beleuchtete Schriftzüge oder Schilder gab es Auflagen bezüglich der Ausschaltzeit, um Störungen der Nachbarn zu vermeiden. Jedes Schild oder jeder Schriftzug an einem Nordheimer Geschäft hat ein derartiges Genehmigungsverfahren durchlaufen. Alle diese Schilder weisen auf die Art des Geschäftes hin, manchmal auch auf den Betreiber bzw. den Eigentümer. Interessant wäre eine Zusammenstellung aller Schilder und Transparente, die es in der früheren Nordheimer Geschäftswelt gegeben hat, z.B. Lebensmittel Buchwald, Alte Rose Boger, Drogerie Ott, Bäckerei Karle, Bäckerei und Wirtschaft Krone, Salon Hermann Herbrik, Gaststätte Fortuna, Laden Kiemle, Gärtnerei Klotz, Laden Kressner, Schuhhaus Hertner, Schuhhaus von Olnhausen, Gasthaus Traube, Weinstube Willy usw. Alle aufgeführten Geschäfte und noch viele weitere besaßen Außenwerbung in irgendeiner Form. Gedruckte Werbung oder Anzeigen sind von nahezu allen früheren Nordheimer Läden noch zu finden. Brauchbare Fotos ihrer Außenwerbung oder gar Originalschilder sind aber eher selten.




Ulrich Berger
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